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Sex

Frauen erzählen, warum und wie sie Pornos gucken

Pornografie ist nur etwas für Männer? Schwachsinn! Auch Frauen sind regelmäßig auf Pornhub oder xHamster – aus den unterschiedlichsten Gründen.
Ein Laptop, der einen Porno zeigt, symbolisch für Frauen, die Pornos gucken
Foto: Negative Space | Pexels | CC0 [bearbeitet; Screenshot von YouTube aus dem Video 'weird porn with trex and hover boards' von Goose]

Leider kann ich mich nicht an den ersten Porno, den ich je gesehen habe, erinnern. Anscheinend war es etwas so belangloses, dass ich ihn direkt vergessen habe. Woran ich mich jedoch erinnern kann: die erotischen Filme, die nachts im Fernsehen liefen. Gestöhnte Werbung für Telefonsex. Verena Pooth, die uns Dildos erklärt. Ich bin Teil einer Generation, die quasi durch Fernseherotik aufgeklärt wurde und dann später durch das Internet endgültig alles finden konnte, von dem sie nicht mal wusste, dass es sie antörnt. Für mich und viele andere junge Frauen ist Pornografie mittlerweile genauso selbstverständlich wie der Cumshot im Mainstream-Porno.

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Geht es nach öffentlichen Diskussionen, klingt das allerdings anders. Pornos würden dazu führen, dass Frauen erniedrigt werden; pubertierende Jungs würden durch den Konsum verdorben und wollten ihr erstes Mal nur noch im Gangbang-Format. Die Politik wird eingeschaltet, es geht um Pornosucht und Frauenbilder. Und leider immer nur um Männer. Wie Frauen Pornografie konsumieren ist ein Thema, das öffentlich kaum stattfindet; zu sehr haben uns Klischees, Vorwürfe und pornofeindliche Strömungen die Lust genommen.

Mehr lesen: Wie ein Softporno zur PornHub-Sensation wurde

Dabei ist die schönste Nebensache der Welt etwas, das man durchaus auch alleine genießen kann. Denn obwohl auf Pornoseiten der Frauenanteil in Deutschland mit 17 Prozent unterdurchschnittlich ist – masturbiert wird immer. Wir haben mit Frauen darüber gesprochen, seit wann sie Pornos gucken, was ihre Lieblingsfilme sind, und was sie aus Pornos gelernt haben.

Marie, 31

Ich gucke regelmäßig Pornos und habe auf jeden Fall mehrere Lieblingsgenres. Zum einen gucke ich gerne Swingerpornos, zum anderen BBW, also Filme mit Frauen, die etwas mehr auf den Rippen haben. Am liebsten sind mir Amateursachen, weil es bei nicht-professionellen Drehs auch mal passieren kann, dass der Typ keinen Steifen hat. Das finde ich eigentlich ganz charmant. Mit BBW-Pornos kann ich mich gut identifizieren, weil die Frauen da vom Körperbau einfach viel näher an mir liegen als die operierten und aufgespritzten Pornosternchen, die bei professionellen Drehs rumturnen. Pornos haben mir also ein besseres Gefühl für meinen Körper gegeben. Durch sie habe ich gemerkt, dass viele Dinge, über die ich mir früher Gedanken gemacht habe, vollkommen überflüssig waren.

So masturbieren Frauen

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Klar haben wir alle immer mal wieder Probleme mit unserem Körper, aber ich versuche jetzt zum Beispiel nicht mehr, den Bauch einzuziehen – was ja sowieso immer auch ziemlich sinnlos ist. Ein Stück weit hab ich mich durch Pornos viel mehr emanzipiert, als durch reale sexuelle Erfahrungen. Zu sehen, wie Männer auch auf Frauen abgehen, die nicht gertenschlank sind, hat meine Wahrnehmung komplett verändert. Ich bin jetzt entspannter und viel mehr in der Lage, mich auf Sex einzulassen ohne dauernd zu überlegen, ob mein Bauch zu groß ist oder ob meine Brüste je nach Stellung gut aussehen.

Sophia, 26

Den ersten Porno hab ich in der Schule auf einer Playstation Portable gesehen, in der letzten Reihe im Kunstunterricht. Das war One Night in Paris mit Paris Hilton. Ich glaube, die Jungs haben damals den Porno geguckt, weil es geil war. Wir Mädchen haben dagegen mitgeguckt, weil wir es witzig fanden. Warum man sich aber einen Porno auf die Playstation lädt und den dann mit zur Schule bringt und guckt, frag ich mich im Nachhinein schon. Damals hat uns das aber nicht gewundert. Für mich war es leider nicht erregend, One Night in Paris hat mir Pornos erstmal für lange Zeit versaut. Vielleicht sollte ich den Film nochmal gucken, um das aufzuarbeiten.

Ganz allgemein gucke ich mittlerweile häufig Pornos, oft mehrfach die Woche. Es gibt trotzdem Dinge, die mich stören.

"Da mein Typ Mann leider nicht so oft in Pornos zu sehen ist, gucke ich viele Lesbenpornos."

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Das Ödeste sind für mich die Gesichtsausdrücke der Männer. Die finde ich extrem bescheuert und abtörnend. Schade, eigentlich. Du guckst dir den Mann an, guckst auf den Körper, denkst: Ja, passt. Geschlechtsorgan: Ja, passt auch. Frau passt sowieso, weil die sind generell attraktiv, egal in welchem Körper die sich bewegen, zumindest in den Pornos, die ich gucke. Aber der Mann … Da hab ich das Gefühl, dass die selbst in feministischen Pornos völlig übertriebene Pornodarsteller sind. Sorry, aber so gucken Menschen einfach nicht. Das ist fast wie bei einem Pantomimen, der gerade übertrieben eine Erektion darstellt.

Francesca, 32

Letzte Woche erst hab ich den besten Porno meines Lebens gesehen. Eine Freundin hat mir eine VR-Brille zum Geburtstag geschenkt. Klar wollten mein Freund und ich dann auch wissen, wie Pornos darin aussehen – also haben wir’s ausprobiert. Und das hat richtig Spaß gemacht. Ich hatte wirklich den Eindruck, dass ich die Frau im Porno anfassen könnte, oder von ihr angefasst würde.

Sexspielzeug für Frauen

Foto: Lisa Ludwig

Es ist allgemein so: Wenn eine Frau im Porno gekommen ist, bin ich auch gekommen. Für mich ist es einfach viel erotischer, der Frau zuzugucken, also muss ich mir den Rest nicht mehr angucken. Am liebsten gucke ich sowieso Pornos mit Frauen. Die Männer interessieren mich nicht so sehr. Ich mag lieber sehr schlaksige, dünne Männer, nicht die großen, muskulösen Männer aus den Filmen. Da mein Typ Mann also leider nicht so oft in Pornos zu sehen ist, gucke ich viele Lesbenpornos.

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Das Beste ist, dass ich dabei sogar noch was lerne. Letztes Jahr hatte ich zum ersten Mal Sex mit einer Frau. Sie hatte bereits mit einigen Frauen geschlafen, ich dagegen war in dem Sinne jungfräulich. Sie meinte danach: “Das war wirklich dein erstes Mal mit einer Frau? Wow!” Wahrscheinlich habe ich aus Pornos gelernt, was ich tun musste – auch wenn ich nur etwa einen im Monat gucke. In meinem alltäglichen Sexleben mit meinem Partner mache ich die Sachen aus Pornos dagegen eher nicht. Wir haben auch so eine gute Verbindung, da muss ich mir keine Inspiration holen.

Ilona, 28

Ich gucke im Schnitt ein bis zweimal Mal die Woche Pornos und gehe damit eigentlich auch ganz offen um. Ich finde auch Debatten über Pornografie und Fetische total spannend. Ob man als Frau beispielsweise nur Softpornos oder feministische Pornos gucken darf, weil man ja sonst angeblich erniedrigt wird; so was. Mit meinen Freundinnen spreche ich darüber aber eher unter diesem Schutzschild des Absurden. Ich habe an mehrere Bekannte zum Beispiel mal einen Pornolink geschickt, weil der Porno so komplett wahnsinnig war, dass ich das mit irgendjemandem teilen musste. Ein Typ in einem T-Rex-Kostüm stand auf einem Hoverboard und hatte so Sex mit einer ganz normalen Pornodarstellerin.

"Es wird niemals eine Situation geben, in der ein Arschloch ästhetisch aussieht – und das ist total OK."

Ich dachte mir nur: Alter, wie krass ausbalanciert ist der? Das ist so mega spezifisch, wie kommt man auf sowas? Waren da einfach alle bekifft? Meinte jemand: “Das hat noch niemand gemacht!” Und irgendjemand sagte dann: “Stimmt! Lass machen”? Wahrscheinlich gibt es da draußen irgendjemanden, der immer auf genau so ein Video gewartet hat.

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Tatsächlich habe ich aber auch Sachen aus Pornos gelernt, die mir in meiner echten Sexualität weitergeholfen haben. Dass schlussendlich jeder beim Sex scheiße aussieht, zum Beispiel. Es wird niemals eine Situation geben, in der ein Arschloch ästhetisch aussieht – und das ist total OK. Ich achte da ja auch nicht drauf, wenn ich mit jemandem Sex habe. Von daher: Scheiß drauf, es muss nicht immer alles weichgezeichnet und verklärt sein, letztendlich interessiert es keinen.

Saskia, 35

Meine ersten Erfahrungen mit Pornografie habe ich eher zufällig gemacht. Wenn mein Vater früher vor dem Fernseher auf dem Sofa eingeschlafen ist, habe ich viele Sachen gesehen, die ich nicht hätte sehen sollen. Ich wurde damals quasi von Vox aufgeklärt, wo nachts Erotiksendungen gelaufen sind. Wenn es Wa(h)re Liebe und so nicht gegeben hätte, hätte ich wahrscheinlich viel mehr Angst vor meinem ersten Mal gehabt. Ich hätte einfach nicht gewusst, was ich tun soll. Meine Eltern haben mich nicht wirklich aufgeklärt und hatte auch im Freundeskreis niemanden, mit dem ich so wirklich über Sex reden konnte.

Mehr lesen: Wie sieht Einvernehmlichkeit an einem Pornoset aus?

Mit elf, zwölf Jahren habe ich dann angefangen, aktiv nach Pornos zu suchen. Auch heute noch finde ich, dass man viel von Pornografie lernen kann, auch wenn ich nur selten pornografische Videos gucke. Ich gucke mir das manchmal einfach wie einen Lehrfilm an, merke mir die Stellungen und probiere die dann später privat aus. Gerade, wenn es um Tantra und Kamasutra geht.

Womit ich allerdings nicht ganz warm werde, sind Pornos, die sich explizit an Frauen richten. Die sind mir manchmal einfach zu klinisch und jenseits von Feuer und Licht, langweilig halt. Ich weiß dann vorher schon meistens: Es wird kein SM geben, es wird nicht Hardcore sein, es kommt nicht plötzlich jemand rein und überrumpelt die Leute – das nimmt dem Ganzen für mich so ein bisschen die Spannung.

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